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Erste Beweise für iranische Internetdrosselung als eine Form der Zensur
Eine der wachsenden Besorgnis für Menschenrechtsaktivisten sind die zunehmenden Beweise für die Internetzensur in vielen repressiven Regimen auf der ganzen Welt. Während des Arabischen Frühlings zum Beispiel schalteten ägyptische Führer das Internet ab, um zu verhindern, dass Aktivisten Proteste organisieren oder mit der Außenwelt kommunizieren. Ähnliches scheint die syrische Führung während des gegenwärtigen Bürgerkriegs mehrfach getan zu haben.
Aber im Iran leistet die Regierung Pionierarbeit für eine heimtückischere, aber ebenso mächtige Form der Zensur. Anstatt den Internetzugang zu schließen, scheint die Regierung ihre Leistung in Zeiten von Unruhen dramatisch zu verlangsamen. Im Februar 2010 zum Beispiel hat die Technologie-Nachrichten-Website The Next Web diesen Effekt in einer Story mit der Schlagzeile festgehalten: Das Internet im Iran kriecht bequem, direkt vor geplanten Protesten.
Die sogenannte Internetdrosselung hat gegenüber einer vollständigen Abschaltung zahlreiche Vorteile, da sie Proteste einschränkt und gleichzeitig die Fortsetzung der wichtigen Kommunikation ermöglicht. Es ist auch schwer von gewöhnlichen Störungen zu unterscheiden. Das Ergebnis ist, dass Drosselung viel weniger wahrscheinlich zu einer weit verbreiteten Verurteilung führt.
Eine interessante Frage ist, wie man Internet-Drosselung erkennt, wenn sie auftritt. Heute zeigt der Internetsicherheitsexperte Collin Anderson, wie öffentlich zugängliche Daten verdächtige Zeiten der Internetverlangsamung im Iran deutlich aufdecken und wie diese von gewöhnlicher Verlangsamung durch hohen Datenverkehr, Geräteausfälle usw. unterschieden werden können.
Die Daten, die dies ermöglichen, stammen vom Measurement Lab, einer überparteilichen Organisation, die offene Software zur Messung der Internetleistung vertreibt. M-Lab hat ein weit verbreitetes Netzwerkdiagnosetool entwickelt, das die Leistung misst, indem es so schnell wie möglich einen Datenburst von zehn Sekunden über eine neu geöffnete Verbindung sendet.
Seit 2009 hat M-Lab täglich rund 200.000 Verbindungstests durchgeführt und dabei über 700 Terabyte an Daten gesammelt. Dies sind Daten aus der ganzen Welt und für jedermann öffentlich zugänglich.
Andersons Analyse konzentriert sich auf die Daten, die seit 2010 aus dem Iran gesammelt wurden. Er sagt, die Ergebnisse zeigen eindeutig Beweise für eine Verlangsamung des Internets bei mehreren Gelegenheiten. In unserem Datensatz finden wir zwei signifikante und längere Zeiträume potenzieller Drosselung, die vom 30. November 2011 bis 15. August 2012 und vom 4. Oktober bis 22. November 2012 auftreten, sagt er. Im ersten dieser Zeiträume sank der Download-Durchsatz um 77 Prozent und im zweiten um 69 Prozent.
Beide Gelegenheiten fallen mit Unruhen im Iran zusammen. Im Winter 2011 wurden beispielsweise zwei ehemalige Präsidentschaftskandidaten wegen ihrer reformistischen Aktivitäten unter Hausarrest gestellt, was im Iran zu Verurteilungen führte. Im Oktober 2012 kam es zu weit verbreiteten Währungsprotesten.
Darüber hinaus gibt es laut Anderson weitere acht oder neun kürzere Zeiträume, in denen sich die Internetleistung verdächtig verlangsamt.
Eine wichtige Aufgabe besteht darin, Drosselungsperioden von normalen Routing-Fehlern zu unterscheiden, die auch im Iran üblich sind. Um eine Vorstellung von den Auswirkungen eines gewöhnlichen Stromausfalls zu bekommen, untersuchte Anderson die Auswirkungen eines Angriffs der Arbeiterpartei Kurdistans auf eine internationale Ölpipeline, die auch eine wichtige Telekommunikationsverbindung mit der Türkei unterbrach.
Er sagt, dass dieses Ereignis zu einem geringfügigen Anstieg der durchschnittlichen und minimalen Umlaufzeiten für Daten führte, da Daten über längere Distanzen zu M-Lab-Servern geleitet wurden. Allerdings war die Störung deutlich geringer als in anderen Zeiträumen, ein Ergebnis, das der Vorstellung Gewicht verleiht, dass das Internet im Iran Gegenstand einer bewussten, zentral gesteuerten Drosselung ist.
Natürlich werden mehr Daten benötigt, um die Natur der iranischen Internetdrosselung genauer zu enthüllen, sagt Anderson. Angesichts der zunehmenden Verbreitung der Diagnosetools von M-Lab könnte dies in Zukunft möglich sein.
Auch anderswo besteht dringender Bedarf an einer besseren Überwachung. Eine wachsende Zahl anekdotischer Beweise deutet darauf hin, dass andere repressive Regime beginnen, die Führung des Iran zu kopieren, wobei Berichte über Internetdrosselungen in Bahrain, Syrien, Tibet und Myanmar auftauchen.
Für Regierungen, die durch öffentliche Meinungsäußerung bedroht sind, scheint die Drosselung der Internetverbindung eine zunehmend bevorzugte und weniger erkennbare Methode zu sein, um den freien Informationsfluss zu unterbinden, sagt Anderson.
Seine Arbeit und der mutige Beitrag seiner ungenannten Mitarbeiter sind nur ein kleiner Schritt, um sich zu wehren.
Ref: arxiv.org/abs/1306.4361 : Das Internet verdunkeln: Drosselung als Mechanismus der Zensur im Iran erkennen